Crèmeschnitten und Wadenkrämpfe

If you're not sure wether you are running or jogging, go faster.

Mittwoch, 8. Juli 2009

Gigathlon 2009

Cooldown Friday

08:00 im Kuhflocken Shirt, bereit für.. ja, was genau? Monatelang hatte uns der Gigathlon nun begleitet und jetzt war es soweit. Zusammen mit unseren Supportern Roger&Nicole wurde das Mutterschiff beladen und ab gings, nach St.Gallen. Schon auf der Fahrt erfasste mich das Gigathlon Feeling (für Bettina war es noch neu, aber es schien ihr ziemlich gut zu gefallen). Bereits auf dem Parkplatz wurden wir auf unsere Kuhflocken Shirts angesprochen, offenbar wird mein Blog wirklich gelesen?! Check-Out, Zelt aufstellen (alle Eingänge müssen auf dieselbe Seite schauen!) und schon gings los. Auf dem Rennvelo durfte ich den Prolog bei wunderbarem Wetter eröffnen, wir machten uns Gruppenweise schwatzend und gut gelaunt auf die 17 Km lange Runde. Zurück in St.Gallen schickten wir dann Bettina mit dem Bike auf die 20 Km lange Strecke, welche durch einen kurzen Schwimm-Einsatz unterbrochen wurde. Ich war ein Bisschen besorgt - nun würde sich zeigen ob mein Schatz die Vor-Gigathlon-Grippe rechtzeitig bezwungen hatte, und ausserdem war die Bike Strecke verhältnismässig streng. Die Atmosphäre war locker, man hatte viel Zeit um sich mit anderen Gigathleten und Betreuern zu unterhalten. Locker und mit einem Lächeln im Gesicht wurde ich dann von Bettina (ähm.. wo ist unser Chip geblieben?) auf die Laufstrecke geschickt. Weils so schön war habe ich mich danach noch umgezogen und bin ein wenig Skaten gegangen. Auf der Inline Strecke gab es bereits die ersten Verluste (zum Glück nicht bei uns) - ja, skaten ist wirklich gefährlich! Nach einem super Tag war ich zuversichtlich, wir hatten die besten Betreuer, Bettina war wieder fit und top motiviert, der Hilly Saturday konnte kommen (OK, ich gebs zu, nun war ich wirklich etwas nervös). Kalte Dusche - Carbo Loader - Nachtessen - Guet Nacht im Schlafsack!

Hilly Saturday

04:00 wurden wir wach, rund herum war schon viel Betrieb - hatten doch die Couple und Single Athleten einen eigenen Bereich auf dem riesigen Camp (wir mussten 2 Stunden früher raus als die 5er Teams). Nun war er also da, der Tag den wir uns schon lange Zeit vorzustellen versuchten: Hilly Saturday. Schon frühmorgens war es warm, der Tag versprach heiss zu werden. Alles war bereit (wir auch?) und das Karussell begann sich zu drehen. Bettina eröffnete unser Abenteuer um 06:00 auf der 3 Km langen Schwimmstrecke von Rorschach nach Altenrhein, während ich mich für die 57 Km Inline bereitmachte. Super gelaunt kam sie aus dem Wasser und schickte mich auf den Weg. Gleich nach dem Start hängte ich mich an eine Gruppe von Singles, die es ziemlich eilig hatten. Wir fuhren recht hektisch, Strasse, Trottoir, Strasse und überholten einige andere Skater, doch nach einiger Zeit beschloss ich, abreissen zu lassen - es war mir zu schnell. Schliesslich war das die allererste Etappe und ich wusste nicht genau wie ich mit meinen Kräften haushalten soll. Zusammen mit einem Single Kämpfer fuhr ich dann weiter, wir konnten uns beim Führen abwechseln und sammelten unterwegs andere Skater ein. Nachdem ich eine Weile vorne war, liess ich mich ablösen und es zogen etwa 15 Skater an mir vorbei. Wir hatten also unseren eigenen "Zug". Die Strecke war verdammt lang, aber es hat wirklich Spass gemacht. Nach ziemlich genau zweieinhalb Stunden konnte ich den Chip Bettina weitergeben, die unterdessen in Velomontour bereit war für die Königsetappe (90 Km Rennvelo über 1700 Hm) übers Furkajoch in Österreich. Nun war mein Schatz also unterwegs auf der Etappe die ihr am meisten Respekt eingeflösst hatte beim Training und ich fuhr mit Roger & Nici nach Oberriet in die nächste Wechselzone. Ausruhen, Essen und mentale Vorbereitung auf die nächsten 2 Etappen waren angesagt. Die Stimmung war total entspannt und wir genossen es in vollen Zügen. Dank unserer Supporter brauchten wir uns zwischen den Einsätzen praktisch um nichts zu kümmern, es war genial! Bisher lief also alles nach Plan und ich war gespannt wie es Bettina auf dem Rennvelo ergangen war. Wann würde sie eintreffen? Wann wohl: Pünktlich nach Rogers Plan natürlich - und mit einem breiten Grinsen im Gesicht - und mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen, mein Schatz war also rechtzeitig wieder fit geworden. Nun kam das Beste, 1400 Höhenmeter auf 12 Km verteilt, zu Fuss von Oberriet auf den hohen Kasten. Ich fühlte mich extrem gut und alles lief super, ich konnte während dem ganzen Lauf überholen. Kurz vor dem Ziel plagten mich kurz Krämpfe in den Oberschenkeln, aber ich kam voran und brauchte trotz einiger Gehpassagen weniger lange als beim Training, diese Etappe war ein richtiger Genuss! Als Couple konnte ich sofort auf die Seilbahn, die mich auf der anderen Seite runter nach Brülisau brachte. Dort wartete bereits wieder Roger mit meinem Bike: umziehen, etwas essen und trinken und los ging es auf die letzten 40 Km des Tages. Die Scheinwerfer konnten wir getrost abmontieren, es würde bis zur Zielankunft in St. Gallen sicher noch hell sein. Richtig euphorisch schwang ich mich also auf mein Bike. Schon kurz nach dem Losfahren ging es eine steile Rampe über eine Wiese hoch und ich musste das Tempo ziemlich reduzieren. Beim Lauf auf den hohen Kasten hatte ich ein paar Körner zuviel verbraucht (51. Zeit unter den Couples) und nun musste ich büssen. Die Bike Strecke war ziemlich hügelig und ich wurde immer langsamer. Die Kilometer wollten und wollten nicht enden und immer wieder kamen neue Steigungen um die Ecke. Mehrmals wurde ich an den Aufstiegen überholt um in den technischen Passagen wieder an den selben Bikern vorbeizuziehen (mit der Zeit kannten und grüssten wir uns, Gruss an Hubi ;-). Irgendwie schaffte ich es bis ins Ziel, wo ich von unserem Team in Empfang genommen wurde. Ich war total ausgebrannt, mir war übel und musste mich eine Weile hinlegen (zum Glück war das für Roger nichts Unbekanntes, alles blieb kool, ich bekam etwas Cola zu trinken). Bettina sah super aus, sie hatte sich unterdessen etwas ausgeruht, mir ging es nicht so gut und ich hatte immer wieder etwas Krämpfe in den Beinen beim Abendessen. Obwohl es schon spät (und ich zickig und müde) war, gingen wir noch beim Dul-X Zelt vorbei, weil Bettina mich zu einer Massage zwingen wollte :-). Trotz Riesenandrang kam ich als Couple sofort an die Reihe und die Massage war genau das, was ich gebraucht hatte. Lehren des Tages: Viel mehr essen und trinken, besser einteilen.

Flowing Sunday

Nach einer sehr kurzen Nacht erwachten wir aus dem Halbschlaf, wieder mussten wir alle 4 früh raus. Ich hatte ein fürchterliches Ziehen im linken Schienbein und Blattern am rechten Fuss vom Skaten, aber die Beine waren gut. Von nun an lief alles wie in einem Film ab, überflüssige Dinge wie Rasieren wurden weggelassen. Nach dem Frühstück musste ich sofort auf die Skates (43 Km) - und ich fühlte mich wie gekaut und wieder ausgespuckt. Die ersten 7 Km fuhren wir hinter einem Tempomacher her, es ging ziemlich viel bergab. Die Stimmung war speziell, ein neuer, frischer Tag war angebrochen und es wurde geplaudert, während die Motoren langsam warm wurden. Erst danach wurde die Zeitmessung ausgelöst und wir nahmen die hügelige Sonntagsetappe (das war ja eher hilly als flowing..?) in Angriff. Nach kurzer Zeit war mein restlicher Bremsklotz aufgebraucht und ich bremste auf Metall. Rasante Abfahrten und happige Aufstiege wechselten sich ab. Nach etwa einer Stunde fühlte ich mich viel besser und als Hubi, den ich am Samstag beim Biken kennengelernt hatte, von hinten auffuhr, hängte ich mich an und wir konnten zu dritt Ablösungen fahren. In Kreuzlingen schickten wir dann Bettina wieder in den Bodensee.. sie schwamm erneut super, das ganze schien ihr überhaupt nichts auszumachen und ich konnte schon sehr bald wieder aufs Bike um die 57 Km Etappe des Sonntags anzugehen. Ich war noch immer etwas unsicher und hatte am Samstag gelernt, was es heisst, über die Verhältnisse zu leben. Vorsichtig achtete ich darauf, im grünen Bereich zu bleiben, trank viel und strengte mich an den Aufstiegen nicht an. Die technischen Passagen waren wie immer kein Problem und ich hatte offenbar genügend Boden, um das Overpacing vom Vortag zu verkraften. Während der Fahrt begann ich es wieder richtig zu geniessen, nur die Aussicht auf die letzen 24 Km Laufen machten mir noch immer Sorgen, aber darum würde ich mich dann später kümmern. Vor der Wechselzone wurde ich von Jens & Lena begrüsst, das war ein riesen Aufsteller! Das Bettina-Perpetum-Mobile stand bereits wieder mit dem Rennvelo da, bereit für ihre letzte Gigathlon Etappe. Meine Bike Zeit war nicht wirklich der Heuler, aber es ging mir unterdessen echt gut. Roger & Nici waren die Ruhe selbst und wir konnten ihnen blind vertrauen. Wenn man in einem solchen Zustand ist, gibt es nichts Schöneres als dieses einmalige Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Ich wurde gefüttert (Spaghetti müssen nicht auf der Speisekarte stehen, Nici machts möglich), setzte mich ins Auto und schlief vor mich hin, wurde rechtzeitig geweckt. Unterdessen wunderte sich niemand mehr, als Bettina pünktlich in Uzwil eintraf, trotz Bienenstich hatte sie eine gute Fahrt und genoss die Einfahrt in die Wechselzone Uzwil. Bei Regen machte ich mich dann auf die allerletzte Etappe des Gigathlon. Ehrlich gesagt wusste ich nicht so genau, wie das gehen würde. Mein Schienbein schmerzte immer noch vom Skaten und meine Blattern waren irgendwie auch nicht von selber wieder weggegangen. Noch etwa zweieinhalb Stunden, und dann.. wie lange hatten wir uns auf diesen Moment gefreut! Wie schon den ganzen Tag lang ging ich es locker an und lief langsam los. Erst hatte ich noch etwas Schmerzen und das Anlaufen war recht harzig. Der Regen und die vielen Läufer hatten die Waldwege in einen üblen Matsch verwandelt, alles war nass und dreckig. Nach den ersten 10 Km hatte ich mich ans Laufen gewöhnt, ich überholte immer wieder einige Läufer. Je näher ich dem Ziel kam, desto schneller konnte ich laufen. Irgendwann realisierte ich, dass ich es bald geschafft haben würde und das Laufen machte richtig Freude. Die Sonne kam wieder heraus und nach dem letzten fiesen Hügel durch ein Wohnquartier höhrte ich dann irgendwann die Lautsprecher im Ziel.

Bettina, Roger & Nici erwarteten mich schon und gemeinsam genossen wir den Einlauf ins Ziel. Dieses Gefühl lässt sich einfach nicht beschreiben, aber vermutlich ist es einer der Gründe, warum man immer wieder solche Dinge macht. Wir durften wirklich viele "Timeless Moments" erleben und dieser Gigathlon wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Kuhflocken sind angekommen!

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